Yoga-Poesie

Wenn der Morgen dämmert

und die Lotosknospen sich öffnen,

entfaltet sich die Blume meiner Seele sanft,

um Dein Licht zu empfangen.

Jedes ihrer Blütenblätter

ist in Strahlen des Glücks getaucht.

Der Morgenwind trägt mir

den Hauch Deiner Gegenwart zu.

Yogananda

 

 

 

© Gerhard Wanzenböck – fotolia.com

„Das Selbst ist einzig.

Unbeweglich, ist es schneller als Gedanken.

Die Sinne holen es nicht ein;

denn stets ist es im Vorsprung.

Stillstehend, überholt es alles sich Bewegende.

Ohne das Selbst gibt es kein Leben.

Der Tor vermeint, das Selbst bewege sich,

doch es bewegt sich nicht.

Dem Toren scheint es weit entfernt,

doch ist es nah.

Es ist in allem und auch außerhalb von allem.

Wer alle Wesen im Selbst sieht

und sein Selbst in allen Wesen,

der hasset nicht mehr.

Erleuchtung heißt:

das eigene Selbst im ganzen Weltall finden.

Überwunden hat Wahn und Sorge,

wer überall die Einheit sieht.“

Ischa Upanisad

 

 

 

 

 

 

 

Mein sind die Jahre nicht,

die mir die Zeit genommen;

mein sind die Jahre nicht,

die etwa möchten kommen;

der Augenblick ist mein,

und nehm ich den in acht,

so ist der mein,

der Jahr und Ewigkeit gemacht.

Andreas Gryphius (1616-1664)

 




„Das stille Wasser eines Teiches spiegelt die Schönheit seiner Umgebung.

Wenn der Geist ganz ruhig ist, spiegelt er die Schönheit des Selbst.“

B.K.S. Iyengar




„Willst du Gott finden,

so zügle erst die Sinne, die nach außen streben.

Dann sammle die Gedanken und

konzentriere sie auf das Licht,

das inmitten der Flamme des Feuers leuchtet,

und zwar auf das reine Licht,

nicht auf die flackernde Flamme,

nicht auf das verzehrende Feuer.

Nimm dieses Licht

als Symbol des reinen Bewusstseins,

ohne Bewusstseinsinhalt,

also verschieden vom gewöhnlichen Bewusstsein.

Wer so meditiert,

dem wird die göttliche Wirklichkeit,

die in der sinnlich wahrnehmbaren Erscheinung

verborgen ist,

im Innern offenbar.“

Swetasvatara Upanisad



„Der GEIST ist nicht

die gute Hälfte der Gegensätze,

sondern der Urgrund aller Gegensätze,

und unser Heil besteht nicht darin,

dass wir die gute Hälfte des Dualismus finden,

sondern den Ursprung

beider Hälften des Dualismus,

denn dies sind wir in Wirklichkeit.“

Ken Wilber



„Das Absolute ist nicht das Andere,

sondern durchdringt gewissermaßen

das Gewebe von allem was ist.“

Ken Wilber




„Devi fragt: ‚Oh Shiva, was ist deine Wirklichkeit?

Was ist dies von Wundern erfüllte Universum?

Was ist der Same?

Wer hält das Rad des Alls im Gleichgewicht?

Was ist dies Leben jenseits von Form,

das alle Form durchdringt?

Wie können wir vollends hineingelangen?

Hinaus über Raum und Zeit,

Namen und Bezeichnungen?

Schaffe meinem Zweifel Klarheit!’

Shiva antwortet:

‚Strahlende, diese Erfahrung

mag dir zwischen zwei Atemzügen dämmern.

Nachdem der Atem hineingegangen ist,

und kurz bevor er wieder nach oben steigt

– die Wohltat.’

“ Lücken sind Türen in die Unendlichkeit.

In den Lücken zwischen den Worten,

zwischen den Gedanken

scheint die klare Natur des Geistes auf,

wenn wir bewusst genug sind, sie wahrzunehmen.

Zwischen Einatmen und Ausatmen

und zwischen Ausatmen und Einatmen

liegt immer eine kleine Lücke,

eine kurze Zeitspanne, in der der Atem stillsteht.

Ein- und Ausatmen sind wie Geburt und Tod –

die Lücke dazwischen führt ins

Ungeborene, Unsterbliche, Nicht-Sagbare.“

„Der Atem innerhalb des Atems.

Gott, der Atem allen Atems“,

wie Kabir sagt.

„Hier ist kein Unterschied zwischen Ihrer Mitte

und der Mitte von Allem.

Hier findet die Begegnung

jenseits jeder Begegnung statt.

In dieser Begegnung und Hingabe

verschwinden wir als Person

in einer tiefen Verbeugung.

Die klare Natur des Geistes bleibt,

Liebe bleibt, Mitgefühl und Weisheit bleiben,

Freude bleibt, und das Mysterium hat kein Ende.“

 

Pyar Troll kommentiert Vers aus Vijnana Bhairava



„Das Sinnen auf die Atemkraft gerichtet,

als wäre sie ein Lichtstrahl feinster Art,

vom Grunde sich erhebend scheitelwärts,

erweckt (in uns) das Urlicht.“

„Den Atem erleben als ein aufsteigendes Licht,

der feinsten Faser eines Lotosstengels gleich.

Urkraft, im Atem geborgen,

strömt weder ein noch aus.

Jenseits der Zweigung erwächst sie aus der Mitte,

zum Wesen findet er durch sie zurück.“

„Bewusst im Atem steigen-sinken,

von Wendepunkt zu Wendepunkt;

dem Nichts der zwiefachen Umkehr

entspringt die Fülle.“

„Das Innehalten übend,

zwischen „Ein“ und „Aus“-

wird er im Frieden das Wesen der Ruhe erfahren.“

 

Vijnana Bhairava



 

 

Shanti

Da, wo alles Zweideutige, wo alles Zerteilte,

Auseinandergerissene zur Ruhe gekommen ist

und sich im Lichte seines Selbst spiegelt,

wo das, was Auseinandergekommen war,

ineinander fließt und im Spiel mit sich selbst,

sich zeit ewig oder zeit los, seiner Selbst erfreut,

da ist Shanta / Frieden.

Michael von Brück „Gottesbegriff im Yoga“



 

 

„Wenn wir unser Ich nicht mehr spüren,

wenn es weder die Dualität

noch jenen geistigen Vorgang mehr gibt,

der uns sagen lässt: ´

Wie schön das ist,

diese Weite, diese Unendlichkeit`,

wenn es nichts mehr gibt,

das einer Erfahrung Grenzen setzen könnte,

wenn der Geist

die Qualität des Raumes in sich wiederfindet,

dann ist das ein Erwachen.“

Daniel Odier


 

 

„Das Selbst

ist die eigenschaftslose reine Wirklichkeit,

in deren Licht

Körper und Ego aufleuchten.

Wenn alle Gedanken zur Ruhe gekommen sind,

bleibt das reine Bewußtsein zurück.“


Ramana Maharshi